Niedergang und letzte Tage der NSDAP


Die Wasserbrücke ist seit jeher einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte der Stadt Lauf. Der Furt (Flussübergang) durch die Pegnitz an dieser seichten Stelle des Flusses, an der sich seit dem frühen Mittelalter mehrere wichtige Verkehrswege trafen, verdankt der Ort neben der Nutzung der Wasserkraft seine Entwicklung. Unter Kaiser Karl IV. entstand an dieser Stelle die erste Brücke. Mit der allmählichen Ausweitung der städtischen Siedlung nach Süden im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert verband sie – vor der Errichtung der Brücke West – als wichtigster Verkehrsknotenpunkt die beiden Ortsteile links und rechts der Pegnitz.

1933 erfuhr auch sie das Schicksal vieler Plätze und Straßen der Stadt und anderer deutscher Städte im Nationalsozialismus: ihr Name wurde zugunsten von Personen, die maßgeblich am Aufstieg des Nationalsozialismus beteiligt waren, geändert. Aus der “Wasserbrücke” wurde die “Hindenburg-Brücke”. (Paul von Hindenburg hatte als Reichspräsident Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt und damit dazu beigetragen, die nationalsozialistische Diktatur zu ermöglichen.)

Die wichtigste Laufer Brücke ist eng verbunden mit den Ereignissen der letzten Kriegstage in der Stadt.

Am Ende des zweiten Weltkrieges ist man einer Zerstörung der so wichtigen Brücke nur knapp entgangen. Kurz nach Kriegsende entstand ein Narrativ um die “Rettung” der Brücke, die mit der “Rettung” der ganzen Stadt in einem Zusammenhang gesehen wurde.

Was sich nun genau in den letzten Kriegstagen und speziell am 15. und 16. April 1945 in Lauf zugetragen hat, wird sich im Nachhinein heute nur noch schwerlich rekonstruieren lassen. Die Zeitzeugen sind mittlerweile alle verstorben. Interessant jedoch ist, wie jeder der damals in Lauf verantwortlichen Parteifunktionäre und anderer Personen des öffentlichen Lebens in der Stadt, eine im Nachhinein veränderte und geschönte Erzählung von seinem Beitrag zur “Rettung der Stadt” durch die “Rettung der Wasserbrücke” beigetragen hat. Grund für die Erzähldichte zum Thema waren die Spruchkammerverfahren der unmittelbaren Nachkriegszeit, die – ursprünglich als Strafverfahren etabliert und angeleitet durch die Alliierten – in allen Besatzungszonen durchgeführt wurden mit dem Endziel die Bevölkerung zu “entnazifizieren” und alle Personen, die den Nationalsozialismus aktiv unterstützt – und sich Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben, aus dem öffentlichen Leben zu entfernen und zur Wiedergutmachung zu verpflichten. Erlaubt war es, durch eigene Stellungnahmen und “Entlastungszeugnisse” aus dem eigenen sozialen Umfeld im Sinn einer “umgekehrten Beweislast” eine bessere Bewertung zu erreichen und einer harten Bestrafung zu entkommen. Oft geschah dies im Sinne “eine Hand wäscht die andere”. Im Bekanntenkreis wurden somit “Persilscheine” (entlastende Zeugnisse) füreinander ausgestellt.

Vor diesem Hintergrund sind die unterschiedlichen, die Wahrheit verschleiernden Stellungnahmen der “Rettung der Wasserbrücke” zu sehen, die im beschönigenden Sinn mit einer “Rettung der Stadt Lauf” gleichgesetzt wurden.

Die Wasserbrücke in Lauf um 1930

Ende März 1945 rückte die 7. amerikanische Armee aus Richtung Würzburg kommend in einem großen Bogen aus nordöstlicher Richtung auf Nürnberg vor.

Die Amerikaner hatten große Bedenken, die ehemalige “Stadt der Reichsparteitage”, die für die Nationalsozialisten mit großer ideologischer Bedeutung belegt war, zu erobern, und rechneten dort mit großem Widerstand durch fanatisierte Truppeneinheiten und Parteianhänger. Man wollte also mit drei Armee-Einheiten auf Nürnberg vorrücken. Dazu teilten sich die Armee-Einheiten auf: ein Teil rückte direkt von Würzburg nach Nürnberg vor, die Dritte Division teilte sich jedoch auf. Während ein Truppenteil über Bamberg nach Nürnberg vorrückte, scherte ein anderer aus und nahm den Weg über Gräfenberg, Schnaittach und dann über die Autobahn nach Lauf in Richtung Nürnberg. Dies war der Truppenteil, der für die Einnahme Laufs verantwortlich war.

Kurz zuvor am 19. März 1945 hatte Hitler den sogenannten “Nero-Befehl” an die verbleibenden restlichen Truppenteile, SS-Einheiten und die deutsche Bevölkerung ausgegeben. Dieser beinhaltete folgenschwere und großangelegte “Zerstörungsmaßnahmen im gesamten Reichsgebiet”, die von den militärischen Leitern und Kommandobehörden verantwortlich durchgeführt werden sollten. Zerstört werden sollten die gesamte Verkehrs- und Nachrichteninfrastruktur, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebiets, die zur Fortführung genutzt werden könnten. Diese sollten angesichts der nun unmittelbar sichtbar werdenden bevorstehenden Kriegsniederlage Deutschlands nicht “dem Feind in die Hände fallen.” Verantwortlich für die Durchführung dieser Befehle waren die Gauleiter und Reichsverteidigungskommissare. Dem entgegen stand der von dem obersten Wehrmachtsgeneral Wilhelm Keitel (1882-1946), SS-Reichleiter Heinrich Himmler (1900-1945) und NS-Reichsleiter Martin Bormann (1900-1945) unterzeichnete Befehl, dass alle Städte auf deutschem Reichsgebiet bis zum äußersten verteidigt werden müssen und dass dem zuwider handelnde Personen mit dem Tod zu bestrafen seien.

Die Amerikaner hatten große Bedenken, die ehemalige “Stadt der Reichsparteitage”, die für die Nationalsozialisten mit großer ideologischer Bedeutung belegt war, zu erobern, und rechneten dort mit großem Widerstand durch fanatisierte Truppeneinheiten und Parteianhänger. Man wollte also mit drei Armee-Einheiten auf Nürnberg vorrücken. Dazu teilten sich die Armee-Einheiten auf: ein Teil rückte direkt von Würzburg nach Nürnberg vor, die Dritte Division teilte sich jedoch auf. Während ein Truppenteil über Bamberg nach Nürnberg vorrückte, scherte ein anderer aus und nahm den Weg über Gräfenberg, Schnaittach und dann über die Autobahn nach Lauf in Richtung Nürnberg. Dies war der Truppenteil, der für die Einnahme Laufs verantwortlich war.

Der für Lauf zuständige Reichsverteidigungskommissar Karl Holz (1898-1945) hatte seinen Dienstsitz in Nürnberg und war ein persönlicher Freund, des Kreisleiters Erich Walz, der ja als Kreisleiter für die Verteidigung Laufs zu sorgen hatte. Holz erhielt am 12. April folgenden Befehl aus dem Führerhauptquartier: “Städte liegen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Sie müssen daher bis zum Äußersten verteidigt und gehalten werden, ohne jede Rücksicht auf Versprechungen oder Drohungen, die durch Parlamentäre oder feindliche Rundfunksendungen überbracht werden. Für die Befolgung dieses Befehls sind die in jeder Stadt ernannten Kampfkommandanten persönlich verantwortlich. Handeln sie dieser soldatischen Pflicht zuwider, so werden sie wie alle zivilen Amtspersonen, die den Kampfkommandanten von dieser Pflicht abspenstig zu machen versuchen, oder gar ihn bei der Erfüllung seiner Aufgaben behindern, zum Tode verurteilt. Ausnahmen von der Verteidigung von Städten bestimmt ausschließlich das Oberkommando der Wehrmacht.” Als Zusatzbefehl der Reichsverteidigungskommissare ergänzte Holz als folgenden Wortlaut: “Ich bestimme daher: Jeder Verräter oder jede Verräterin, die weisse Fahnen hissen, verfallen rücksichtslos dem Tode und werden gehängt. Jedes Haus, an welchem weiße Fahnen gehisst werden, wird gesprengt oder niedergebrannt. Dörfer, die gemeinsam weiße Fahnen hissen, werden niedergebrannt.”

Diese Widersprüchlichkeit der verbrecherischen Befehle in den letzten Wochen war geradezu entlarvend und typisch für das nationalsozialistische System.

Auflösende Wehrmachtsverbände am Nürnberger Tor, Frühling 1945

Allen voran spielt hier die Person des ehemaligen Laufer Kreisleiters Erich Walz eine große Rolle, der seine Erinnerungen von der Einnahme der Stadt Lauf durch amerikanische Truppen in einem ausführlichen Brief vom 20. Dezember 1952 an den damaligen Laufer Bürgermeister Fritz Bankel (1898-1973) schilderte. Warum dies so viele Jahre nach Kriegsende geschah und warum er dieses Schreiben an den Laufer Bürgermeister richtet, wird erst nach genauer Durchsicht einzelner Dokumente aus dem Stadtarchiv klar. Dem ehemaligen Kreisleiter ist zu Ohren gekommen, dass sich zwei Bürger als “Retter der Stadt und der Wasserbrücke” aufspielen. Aus diesem Grund sendet er zwei eidesstattliche Erklärungen seiner früheren “Mitarbeiter” Hans Haas und Albrecht Büttner an den Bürgermeister, in denen diese für die Aussage des ehemaligen Kreisleiters bürgen.

Seine Schilderung der Ereignisse um die Laufer Wasserbrücke steht hier jedoch programmatisch für die Geschichtsklitterung ehemaliger Nationalsozialisten, die vor allem inden Prozessakten zur Entnazifizierung Deutschlands mithilfe der Spruchkammergerichte deutlich zu Tage tritt. Anhand unterschiedlicher eidesstattlicher Erklärungen, teilweise aus dem Bekannten- und Freundeskreis, von anderen ehemaligen Mitgliedern der NSDAP oder Menschen, die dem Protagonisten nahestehen, konnte es gelingen, Ereignisse aus völlig anderem Blickwinkel zu schildern und damit zu verfälschen.

Die Ereignisse um die “Rettung der Wasserbrücke” im April 1945 in Lauf sind beispielgebend für die Narrativbildung dieser Zeit. Im Laufer Stadtarchiv haben sich widersprüchliche Zeitzeugenberichte zu den Ereignissen am 15. April 1945 erhalten.

Doch zunächst zu Walz‘ Brief, der im Original im Stadtarchiv Lauf zu finden ist: Er schildert vor allem die Geschehnisse des 15. April 1945. Der besagte Apriltag war der Tag, an dem amerikanische Truppen nach Lauf eindrangen und die Stadt besetzten. In dieser Zeit musste Walz nach eigener Aussage im Brief “seelische Erschütterungen und innere Kämpfe” durchleben und bezeichnet diese Tage als die schwersten seines Lebens.

Anhand des Briefs wird deutlich, dass der ehemalige Kreisleiter noch 1952 der festen Meinung ist, ihm allein sei es zu verdanken, dass die Amerikaner keine Sprengung der Wasserbrücke durchführten und er deshalb als der “Retter von Lauf” gelten könne. Eine eindeutige Beweisführung war Walz in dieser Sache offensichtlich enorm wichtig, denn er führt zusätzlich zum Brief zwei eidesstattliche Augenzeugenberichte auf und redet außerdem von weiteren Zeugen, die diese Tatsache belegen könnten. Laut seiner Angaben würden sich zwei andere Laufer Bürger als die “Retter der Stadt und der Wasserbrücke” ausgeben, wovon einer der Leiter des Stadtarchivs – August Rebmann – sei. Letzterer soll sich dazu in einem Schreiben geäußert haben und erklärt laut Walz dessen eidesstattliche Erklärungen zum Thema als “eiskalt” erlogen.

Außerdem schreibt Walz, dass die Verteidigung der Stadt Lauf wie bei allen größeren Städten Deutschlands seitens der militärischen Kommandostellen befohlen wurde als der Feind näher rückte. Allgemein stand der Volkssturm unter dem militärischem Befehl Heinrich Himmlers und die Rekrutierung der ca. sechs Millionen Volkssturmmänner lag in der Verantwortung des Chefs der Parteikanzlei der NSDAP Martin Bormann.

Auflösende Wehrmachtsverbände, Frühling 1945

Zu dieser Zeit standen die Amerikaner bereits wenige Kilometer vor Lauf, und zwar in der Ortschaft Lillinghof. Das Generalkommando hatte nun vorgesehen, die Stadt durch den sogenannten “Volkssturm” als “letztes Aufgebot” zu verteidigen und Panzersperren zu errichten. Walz, der darin einen nur geringen Verteidigungswert sah, wollte das nach eigenen Angaben verhindern, auch weil die Volkssturmmänner über eine nur mangelhafte Ausbildung und Ausrüstung verfügten und somit keinerlei Chance gegenüber dem überlegenen Feind gehabt hätten. Der damalige Gauleiter in Franken, Karl Holz, soll daraufhin Walz mit folgenden Worten geantwortet haben: “Wenn sie keine Waffen haben, dann werden die Volkssturmmänner ihre Waffen mit bloßen Händen und mit den Fäusten beiden Amerikanern holen!” und Walz entgegnete: “Das können Sie, Gauleiter, aber von dem
letzten Aufgebot Deutschlands kann ich dies nicht verlangen.”
An dem besagten 15. April 1945 kam es außerdem laut den Angaben des Kreisleiters zu einer Besprechung in der Kreisleitung Lauf zu welcher auch Oberst Wendler vom Generalkommando Nürnberg erschien. Auch ihm gegenüber soll Walz seine Zweifel an den Sperren zum Ausdruck gebracht und auf die mangelnde Ausbildung und Ausrüstung der Volkssturmmänner aufmerksam
gemacht haben. An diesem Tag marschierten am Marktplatz vor dem Fenster des Kreisleiterbüros aufgelöste Wehrmachtsverbände vorbei. Er schreibt, dass er das als weiteren Beweis sah, den Volkssturm nicht loszuschicken. 1952 sollte Walz behaupten, dass viel Mut dazugehörte, dem Gauleiter Holz gegenüber diese Aussagen gemacht zu haben und dass ihn Holz deshalb als “Meuterer” bezeichnet habe und er mit seiner Verhaftung gerechnet habe.

Die Volkssturmmänner seien lediglich zur Verstärkung oder als Reserve, der die Hauptkampflinie bildenten Wehrmachteinheiten einzuziehen. Als Wendler nun auch die aufgelösten Wehrmachtverbände sah, soll er zu Walz gesagt haben: “Sehen Sie zu was Sie machen können, Herr Kreisleiter, helfen kann ich Ihnen nicht!” Zu diesem Zeitpunkt wurde die bereits teilweise zerstörte Autobahnbrücke von den amerikanischen Truppen passiert. Nun war laut Befehl die Sprengung der Laufer Wasserbrücke an der Reihe. Walz schildert sich hier als heldenhaft und berichtet, dass er die Sprengung der für Lauf so wichtigen Brücke verhindern konnte. Erreicht hatte er dies – laut eigenen Angaben im Brief – durch eine längere Diskussion mit dem Pionieroffizier, der mit der Sprengung beauftragt worden war, indem er die Wichtigkeit der Wasserbrücke für die Laufer Bevölkerung als einzigen Übergang über die Pegnitz und der Versorgung mit Wasser, Licht und Gas erklärte. Außerdem sollte auf seine Anweisung hin ein “Meldegänger” zusätzlich die bevorstehende Sprengung verhindern. Laut eigener Aussage hatte er “als Kreisleiter ja die größte Verantwortung” und alle anderen Geschichten, die dem widersprachen, seien “Märchen” und “Unwahrheiten”.

Nachdem die US-Einheiten in Lauf angekommen waren, besetzten sie die Stadt von der Hersbrucker-, wie auch von der Altdorfer Straße aus. Kurze Zeit später wurden die Sperren am Hersbrucker Tor beschossen, weshalb Walz gemeinsam mit Kreisstabführer Hans Haas die Stadt verlassen hat. Zu seiner Flucht schreibt Walz im Brief folgendes: “Weiß Gott! Ich bin niemals feige bei Nacht und Nebel aus der Stadt geflohen,- ich saß auch nicht in sicheren Bunkern und Luftschutzkellern, sondern ich ging, wie befohlen in letzter Minute aus meiner Kreisstadt, um nicht in die Hände der Feinde zu fallen. Hätte ich vielleicht in eine schimpfliche Gefangenschaft gehen sollen, um dann als ehemaliger Kreisleiter unter dem Geschrei der Ausländermeute und des Pöbels verspottet und verhöhnt auf dem Kühler eines racheerfüllten CIC-Beamten durch die Straßen der Stadt gefahren zu werden?” Außerdem sei es ein schwerer Entschluss gewesen, aber er war dennoch froh “die uns liebgewordene Stadt vor der Vernichtung bewahrt zu haben.” Erst zu Walz‘ Gefangennahme am 08. Mai 1945 wurde der ehemalige Kreisleiter wieder aktenkundig, zuvor hatte sich seine Spur verloren. Erich Walz befand sich im Anschluss insgesamt vier Jahre in amerikanischer Kriegsgefangenschaft mit Internierungs- und Arbeitslager, Gefängnissen und Zuchthaus, ehe er diesen Brief an den Bürgermeister schreiben konnte.

Im Jahr 1984 widerlegte Willy Ebert aus Lauf, ein früherer Lehrer aus Hersbruck, Erich Walz‘ damalige Aussagen und bezieht Stellung zu seiner Person, die Geschehnisse aus dem Jahr 1945 eingeschlossen. Anlass für seine Stellungnahme war ein von Walz verfasster Bericht zu seinen Aktivitäten im Nationalsozialismus, den Willy Ebert richtigstellen wollte. Demnach hatte Erich Walz bei seiner Flucht vor den Amerikanern seine Kreisleiter-Uniform abgelegt und sich als “einfacher Volkssturmmann” getarnt. Ironisch schildert Ebert: “Das einfache Kleid eines Volkssturmmannes tarnte einen Kreisleiter sehr zweckmäßig, und an der Goldfasanenuniform eines hochgestellten Nazis mochten sich die eindringenden Amis gütlich tun. Wo mag sie heute wohl hängen? In einer Souvenirsammlung eines verflossenen GI in Chicago oder in einer Maskenverleihanstalt in Mainz am schönen Rhein?”

Die Vermutung, dass sich Walz still und heimlich als getarnter Volkssturmmann davon gemacht hatte, bestätigte auch Simon Kreuzer in seiner Aussage zum Spruchkammerverfahren. Damals gehörte laut Ebert jeder Mann – Wehrmachtsangehörige und Alte ausgenommen – zum Volkssturm. Angeblich war Walz auch lange bevor die Amerikaner einmarschierten, nicht mehr in der Stadt und daher wäre ausreichend Zeit zum Sprengen der Wasserbrücke gewesen. Wer also der “genaue Verhinderer” der Sprengung war, wird man laut Willy Ebert nie aufklären können.

In einer eidesstattlichen Erklärung vom 17. Januar 1949 des damaligen Volkssturmmann und späteren Bürgermeisters Andreas Scherber (1893-1974) habe Walz noch kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner den Volkssturm damit beauftragt Lauf bis zum letzten Mann zu verteidigen.