Persönliche Schicksale von Zwangsarbeitern in Lauf

Irena Konieczna


Brief von Irena Konieczna (geb. Daniel)
Wroclaw (Breslau), Republik Polen

In der Anlage übersende ich meine kostbaren Andenken (Bilder) an die Zeit, die ich als Kind mit meiner Familie in Lauf verbracht habe. Nach unserer Ankunft in Lauf ist mein Vater Anton Daniel bei der Baufirma Georg Schätz beschäftigt worden. Im Lager dieser Firma wurde uns ein kleiner Raum als
Wohnung zur Verfügung gestellt. Es war viel besser als der Aufenthalt im Arbeiterlager. Über unserem Raum befand sich noch eine Wohnung, in der eine deutsche Familie mit drei Personen – Mutter, Oma und ein Mädchen mit dem Vornamen Agnes – wohnte. Wir hatten keinen Kontakt miteinander, da sie uns gegenüber sehr feindlich eingestellt waren.

Unsere Wohnung befand sich am Baustofflager in der Holzstraße 2. In der Holzstraße wohnten auch viele Einwohner, die uns gegenüber sehr positiv eingestellt waren. Ich erinnere mich an Familie Kürtz und an einen Schuster, der uns auch die Schuhe reparierte. In der Nachbarschaft wohnte auch ein Junge mit dem Vornamen Heinrich zusammen mit seiner Mutter. Diese starb bei einem Bombenangriff. In der Nähe befand sich ein Schafpferch und dahinter begannen die Hopfenfelder.

Herr Schätz blieb mir in Erinnerung als immer sehr gutmütiger und intelligenter Mensch. Die Familie Schätz wohnte in der Bahnhofstraße/Kunigundenstraße ( gemeint ist die Urlasstraße/Ecke Urlashöhe). Es war ein großes Haus mit riesigem Garten, in dem sich auch ein kleines Sommerhaus mit bunten Fensterscheiben befand.

Die Familie Schätz hatte zwei Kinder, einen Sohn – Reinhard – und eine Tochter – Gisela. Meine Mutter arbeitete zusammen mit meiner Schwester – Maria – im Haushalt der Familie und erledigte auch Gartenarbeiten, sowie verschiedene Kleinarbeiten. Ich war oft als Kindermädchen beschäftigt.

Die Schule in Lauf besuchten wir nicht, da meine Mutter sich nicht in die Volksdeutschenliste eintragen ließ.

Wir bekamen auch Lebensmittel und Bekleidungsmarken. Letztere reichten jedoch nicht um bei der Fa. Gramp einzukaufen, deswegen bekamen wir vom Landratsamt in der Bahnhofstraße (gemeint ist das heutige Rathaus in der Urlasstraße) gebrauchte Kleidungsstücke.

Während unseres Aufenthalts in Lauf erlebte ich verschiedene Reaktionen der Einwohner uns gegenüber. In den kleinen Läden bekam ich manchmal Bonbons und vor Weihnachten auch kleinere Geschenke (den Lebkuchengeschmack kenne ich noch heute).

Viele schlechte Erfahrungen habe ich mit Kindern gemacht und ich wurde sogar geschlagen. Während der Fliegerangriffe durften wir nicht in die Schutzkeller; erst gegen Ende des Kriegs bekamen wir Dank Herrn Schätz die Erlaubnis dazu.

Mit anderen Polen hatten wir kaum Kontakt, weil alle arbeiten mussten und keine Zeit hatten. Die einzige Bekannte war eine Polin, die für die Franzosen kochte. Sie hatte einen Sohn mit Vornamen Bogdan. Den Familiennamen kannte ich leider nicht. Bis Kriegsende wohnten wir in der Holzstraße.

Nach Kriegsende beendeten wir unsere Tätigkeit bei den Deutschen und sind ins Lager “Waldlust” umgezogen. Wir wurden der Obhut von UNRRA übergeben, die für uns alle eine polnische Schule, eine Küche und ärztliche Betreuung organisierte.

Nachdem Herr Schätz mit der Arbeitsleistung meines Vaters sehr zufrieden war, bot er ihm einen Arbeitsplatz sowie Wohnung und Hilfe für die ganze Familie an. Wir wollten aber zurück nach Polen. Am 6. Oktober 1946 haben wir Lauf verlassen.

Irina Daniel mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach der Befreiung durch die Amerikaner in Lauf im Jahr 1946.
Nach der Befreiung des Zwangsarbeiterlagers durch die Amerikaner im Juni/Juli 1945 wurden die Kinder aus dem Lager „Waldlust“ mit Kleidung versorgt. Das Foto zeigt Irena Daniel mit anderen Kindern polnischer Zwangsarbeiter in der von der UNRRA zur Verfügung gestellten Kleidern.Irena Daniel (verheiratete: Konieczna ) wurde zusammen mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern (zwischen 3 und 11 Jahren) nach Lauf verbracht.