Online-Austellung

„Das Wittmannshaus – eine Moritat”

Das Wittmannshaus vor 1930

Das Wirtshaus „Zum goldenen Löwen“ wurde 1660 im Zusammenhang mit dem realen Garküchenrecht, also dem Recht kleine Speisen als Imbiss zu verkaufen, erstmalig erwähnt. Ab 1748 verfügte das Anwesen auch über das reale Braurecht. Im Jahre 1892 wird das Wirtshaus gemeinsam mit dem Bierbrauer Johann Wittmann als Besitzer, genannt. Seit diesem Zeitpunkt bis zu seiner Zerstörung 1944 befand sich das Wirtshaus im Besitz der Familie und war in der Laufer Bevölkerung unter dem Namen „Wittmann-Haus“ bekannt.

Hans Heyder (Mitte), Konfirmation 1942
Erinnerungen an die Wirtschaft Wittmann vor der Kriegszerstörung
von Hans Heyder (1926-2021)
Blick auf das Anwesen Wittmann und die Johanniskirche nach einer Postkarte ca. 1930

Unter der nationalsozialistischen Regierung erfuhr das Aussehen der Kleinstadt eine ideologische Aufladung. Die Ausgestaltung der Innenstadt geriet zum Ideal eines weltanschaulich überhöhten Lebensideals, das mit der Gestaltung der „Zentren im ländlichen Raum“ eine NS- „Heimatästhetik“ in den Fokus stellte.

“Franken ist die deutscheste aller Landschaften!“-. Dieses Führerwort erfüllt uns alle mit stolzer Freude und ist die heiligste Verpflichtung an der Erhaltung und Steigerung der Schönheit unseres Frankenlandes mitzuarbeiten.“ So schreibt der Laufer Stadtrat Karl Schuster in seinem Aufsatz „Lauf wird schöner“, der 1938 „in der Fränkische Heimat“ erschien.

Störende, oder nicht mit dieser Ästhetik konforme gehende Gebäude, wie das Stadtgefängnis oder das „Birkel“-Haus am Marktplatz Nr. 57, direkt am Nürnberger Tor, riss man ab.  „An seiner Stelle soll ein mächtiger Fachwerkbau mit Kollonaden entstehen, um den Blick auf das Nürnberger Tor zu verschönern.“, so KarlSchuster 1938

Der zum oberen Marktplatz weisende Vorbau des Rathauses mit Balkon wurde zurückgebaut, da er als nicht bautypisch „fränkisch“ empfunden wurde.

„Unter hässlichem Verputz liegen oft noch die herrlichsten Fachwerke verborgen, die handwerkliches Können teilweise schon vor Jahrhunderten schuf! “ so Bezirksbaurat Kollerer in seiner Rede 1938 vor den Handwerksmeistern in Nürnberg. (Pegnitz-Zeitung, 14.2.1938)

In diesem Sinne erfuhren auch viele Häuser am Laufer Marktplatz, dem Herz der Stadt, eine umfangreiche Umgestaltung. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf die Freilegung des Fachwerkes gerichtet. Das in Privatinitiative restaurierte „Gasthaus zum Wilden Mann“ oder auch das Ensemble des „Wittmann Hauses“ entsprachen diesem geschmacklichen Ideal der Nationalsozialisten.

  Ruine des Anwesens Wittmann nach dem 31.03.1944, Aufnahme von Hans Wittmann von 1945;

Das bayrische Staatsministerium des Inneren/Bauabteilung, hatte als oberste Baubehörde Bayerns, die Anfertigung eines Modells des Wittmann-Hauses und seiner Umgebung gefordert, um zu sehen, wie sich das Haus zukünftig in die Situation des Unteren Marktplatzes einfügt.

Das Modell zeigt zwei Varianten des Wiederaufbaus.

Bei dem zweistöckigen Haus-Modell (hier als Modell am ehemaligen Standort des Hauses eingefügt) handelt es sich um den ursprünglichen Entwurf von 1946 des Architekten Conrad Windisch aus Lauf.

Nach einer Ortsbesichtigung am 06.06.1947 durch Mitarbeiter der Oberen Baubehörde wurde die Anfertigung eines zweiten einstöckigen Vergleichsmodels durch die Stadt Lauf gefordert. Dieses wurde ebenfalls von C. Windisch entworfen. (Im Marktplatzmodell ist dieser Entwurf  vor dem ehemaligen Standort, weiter vorne am Marktplatz zu sehen).

Der erste Bürgermeister- Andreas Scherber – brachte den Hausentwurf im Oktober 1947 persönlich in die Münchner Behörde. Scherber war zu diesem Zeitpunkt bereits Abgeordneter des Bayerischen Landtages. Beide Entwürfe wurden ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Stattdessen wurde von Seiten der Behörde vorgeschlagen, den Architekten Fritz Mayer aus Nürnberg mit dem Entwurf des Hauses zu betrauen. Daraufhin beauftragte Bürgermeister Scherber im November 1947 Mayer mit der Anfertigung weiterer Entwürfe. Diese Pläne wurden von der Oberen Baubehörde ohne Widerspruch genehmigt. Das Wittmann Haus hätte somit wieder aufgebaut werden können.